User Tools

Differences

This shows you the differences between two versions of the page.

Link to this comparison view

Both sides previous revisionPrevious revision
Next revision
Previous revision
von_sprotten_schmulltang_und_stuermischer_see_2024 [2025/12/19 16:47] martinvon_sprotten_schmulltang_und_stuermischer_see_2024 [2025/12/19 17:03] (current) martin
Line 1: Line 1:
 ===== Von Schmulltang, Sternkiekern und stürmischer See: Neues zu Fiete Daniel ===== ===== Von Schmulltang, Sternkiekern und stürmischer See: Neues zu Fiete Daniel =====
  
-== Wer die letzten Jahrbücher der Heimatgemeinschaft Eckernförde gelesen hat, wird sich an Fiete Daniel erinnern: den Eckernförder Fischer, Jahrgang 1900, der mit seinen Tagebüchern und anderen Schriften einen umfassenden Zeitzeugenbericht über die Eckernförder Fischerei hinterlassen hat. Seitdem seine Aufzeichnungen der Wissenschaft zugänglich sind, haben sich einige interessante und eigentümliche Ereignisse zugetragen. Der folgende Artikel möchte dem Leser einen Einblick in die jüngsten Entwicklungen zum Thema Fiete bieten. == +=== Wer die letzten Jahrbücher der Heimatgemeinschaft Eckernförde gelesen hat, wird sich an Fiete Daniel erinnern: den Eckernförder Fischer, Jahrgang 1900, der mit seinen Tagebüchern und anderen Schriften einen umfassenden Zeitzeugenbericht über die Eckernförder Fischerei hinterlassen hat. Seitdem seine Aufzeichnungen der Wissenschaft zugänglich sind, haben sich einige interessante und eigentümliche Ereignisse zugetragen. Der folgende Artikel möchte dem Leser einen Einblick in die jüngsten Entwicklungen zum Thema Fiete bieten. == 
- +ach  
-== Von Martin Hüdepohl ==+== Von Martin Hüdepohl ===
  
  
 Am Abend des 26. Februar 2024 um 20:00 Uhr herrschte in der Eckernförder Kneipe „Nordkap" eine angespannte Atmosphäre. Denn dort versammelten sich drei Männer zu einer Krisensitzung in der Sache Fiete Daniel. Am Abend des 26. Februar 2024 um 20:00 Uhr herrschte in der Eckernförder Kneipe „Nordkap" eine angespannte Atmosphäre. Denn dort versammelten sich drei Männer zu einer Krisensitzung in der Sache Fiete Daniel.
  
-Krisensitzung? Was war denn vorgefallen? Und wer waren überhaupt die besagten drei Männer? Der eine, Jens Daniel, war der Enkel des legendären Eckernförder Fischers und mein Onkel dritten Grades – der einzige des Trios, der Fiete noch persönlich kannte. Der zweite, Dr. Rüdiger Voss vom Kieler Center for Ocean and Society, beschäftigte sich wissenschaftlich mit Fiete Daniels Werk. Ich selbst, als Dritter im Bunde, hatte Fietes sämtliche handschriftlichen Aufzeichnungen abgeschrieben, in leserliche Form gebracht und aufbereitet. Seitdem fühle ich mich in der Pflicht, gelegentlich Artikel über ihn zu verfassen, um die Öffentlichkeit am Schatz seines schriftlichen Nachlasses teilhaben zu lassen. Doch an jenem Abend herrschte Anspannung. Die ernsten Mienen der drei Männer, die ihre Köpfe dort über Biergläsern zusammensteckten, ließen Schlimmes erahnen. Was war nur geschehen, was ein solches Treffen erforderte?+Krisensitzung? Was war denn vorgefallen? Und wer waren überhaupt die besagten drei Männer? Der eine, Jens Daniel, war der Enkel des legendären Eckernförder Fischers und mein Onkel dritten Grades – der einzige des Trios, der Fiete noch persönlich kannte. Der zweite, Dr. Rüdiger Voss vom Kieler //Center for Ocean and Society//, beschäftigte sich wissenschaftlich mit Fiete Daniels Werk. Ich selbst, als Dritter im Bunde, hatte Fietes sämtliche handschriftlichen Aufzeichnungen abgeschrieben, in leserliche Form gebracht und aufbereitet. Seitdem fühle ich mich in der Pflicht, gelegentlich Artikel über ihn zu verfassen, um die Öffentlichkeit am Schatz seines schriftlichen Nachlasses teilhaben zu lassen. Doch an jenem Abend herrschte Anspannung. Die ernsten Mienen der drei Männer, die ihre Köpfe dort über Biergläsern zusammensteckten, ließen Schlimmes erahnen. Was war nur geschehen, was ein solches Treffen erforderte?
  
 Dazu Dr. Voss: Dazu Dr. Voss:
Line 122: Line 122:
  
 Manchmal war nach einem Oststurm der Binnenhafen so voller Tang, dass man durch diesen Brei weder mit Segeln, Motor noch mit Rudern auszulaufen vermochte – dann war es nur möglich, die Boote mit einer Winde aus dem Hafen zu ziehen. Hier konnte es aber helfen, die Schleuse zum Noor zu öffnen, so dass das auslaufende Wasser den Tang aus dem Hafen drückte. Manchmal war nach einem Oststurm der Binnenhafen so voller Tang, dass man durch diesen Brei weder mit Segeln, Motor noch mit Rudern auszulaufen vermochte – dann war es nur möglich, die Boote mit einer Winde aus dem Hafen zu ziehen. Hier konnte es aber helfen, die Schleuse zum Noor zu öffnen, so dass das auslaufende Wasser den Tang aus dem Hafen drückte.
- 
-=== Das Windebyer Noor === 
- 
-Ach ja, das Noor. Für mich ein besonderes Thema, schließlich befischt meine Familie diesen See seit nunmehr siebzig Jahren – beinahe die Hälfte der Zeit seit dessen Umwandlung zu einem Binnengewässer.  
- 
-Als das Noor Mitte der 1870er Jahre als der äußerste Zipfel der Förde durch den Steindamm von dieser abgetrennt wurde, erhoben die Fischer lauten Protest – hatten sie doch zuvor die Zusage erhalten, es würde ein Kanal angelegt, breit genug für zwei nebeneinander fahrende Fischerboote. Stattdessen wurde nur ein kleiner Ablauf gebaut, und die Fischer fühlten sich, wie Fiete es ausdrückt, „verschaukelt“. Noch ein halbes Jahrhundert später nährten die Fischer ihren Groll über diesen Zustand. Und als wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, wohnte im ersten Haus der Gäthjestraße, direkt am Steindamm, ein uralter Fischer namens Peter Frank (Ökelname „Sternkieker“), der es liebte, bei schlechtem Wetter die am Hafen herumlungernden Fischer aufzusuchen und sie deswegen auch noch zu verhöhnen: „Nu staht jie hier un luurt op anner Witterung. Dat harrn wie fröer, as de Luus Damm dor noch nie weer, nie nödie, wie kunn to jede Tied, ok wenn de Ost stürm de, naa'd Noor tofischen!” 
  
 === Das Windebyer Noor === === Das Windebyer Noor ===
Line 138: Line 132:
 Als das Noor Mitte der 1870er Jahre als der äußerste Zipfel der Förde durch den Steindamm von dieser abgetrennt wurde, erhoben die Fischer lauten Protest – hatten sie doch zuvor die Zusage erhalten, es würde ein Kanal angelegt, breit genug für zwei nebeneinander fahrende Fischerboote. Stattdessen wurde nur ein kleiner Ablauf gebaut, und die Fischer fühlten sich, wie Fiete es ausdrückt, „verschaukelt“. Noch ein halbes Jahrhundert später nährten die Fischer ihren Groll über diesen Zustand. Und als wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, wohnte im ersten Haus der Gäthjestraße, direkt am Steindamm, ein uralter Fischer namens Peter Frank (Ökelname „Sternkieker“), der es liebte, bei schlechtem Wetter die am Hafen herumlungernden Fischer aufzusuchen und sie deswegen auch noch zu verhöhnen: „Nu staht jie hier un luurt op anner Witterung. Dat harrn wie fröer, as de Luus Damm dor noch nie weer, nie nödie, wie kunn to jede Tied, ok wenn de Ost stürm de, naa'd Noor tofischen!” Als das Noor Mitte der 1870er Jahre als der äußerste Zipfel der Förde durch den Steindamm von dieser abgetrennt wurde, erhoben die Fischer lauten Protest – hatten sie doch zuvor die Zusage erhalten, es würde ein Kanal angelegt, breit genug für zwei nebeneinander fahrende Fischerboote. Stattdessen wurde nur ein kleiner Ablauf gebaut, und die Fischer fühlten sich, wie Fiete es ausdrückt, „verschaukelt“. Noch ein halbes Jahrhundert später nährten die Fischer ihren Groll über diesen Zustand. Und als wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, wohnte im ersten Haus der Gäthjestraße, direkt am Steindamm, ein uralter Fischer namens Peter Frank (Ökelname „Sternkieker“), der es liebte, bei schlechtem Wetter die am Hafen herumlungernden Fischer aufzusuchen und sie deswegen auch noch zu verhöhnen: „Nu staht jie hier un luurt op anner Witterung. Dat harrn wie fröer, as de Luus Damm dor noch nie weer, nie nödie, wie kunn to jede Tied, ok wenn de Ost stürm de, naa'd Noor tofischen!”
  
-Apropos Ökelnamen: Die verbreitete These, dass Ökelnamen entstanden seien, weil alle hier die gleichen Namen gehabt hätten und daher Spitznamen zur Unterscheidung nötig gewesen wären, kann ich zumindest mit Blick auf mein Personenregister nicht bestätigen. Nicht zwei Personen mit demselben Namen kann ich hier finden, außer Fiete und seinen Großvater: Beide hießen zwar Friedrich Daniel, aber beide trugen auch denselben Ökelnamen „de Bremser“, denn Ökelnamen wurden vererbt. So gab es unter den Fischern auch noch die „Franken“, zwei Brüder, die beide „Jauler“ genannt wurden. Ich glaube, diese Namen entstanden schlicht aus Spaß an der Freude. |+Apropos Ökelnamen: Die verbreitete These, dass Ökelnamen entstanden seien, weil alle hier die gleichen Namen gehabt hätten und daher Spitznamen zur Unterscheidung nötig gewesen wären, kann ich zumindest mit Blick auf mein Personenregister nicht bestätigen. Nicht zwei Personen mit demselben Namen kann ich hier finden, außer Fiete und seinen Großvater: Beide hießen zwar Friedrich Daniel, aber beide trugen auch denselben Ökelnamen „de Bremser“, denn Ökelnamen wurden vererbt. So gab es unter den Fischern auch noch die „Franken“, zwei Brüder, die beide „Jauler“ genannt wurden. Ich glaube, diese Namen entstanden schlicht aus Spaß an der Freude.
  
 Aber zurück zum Noor: In den 1920er Jahren wurden die Wünsche der Fischer scheinbar erhört und es gab Bestrebungen, den Steinwall zu öffnen und das Noor wieder schiffbar zu machen. Besonders der Eckernförder Abgeordnete im preußischen Landtag, Jürgen Jürgensen, setzte sich dafür ein. Es gab jedoch auch noch viel größere Pläne: Aber zurück zum Noor: In den 1920er Jahren wurden die Wünsche der Fischer scheinbar erhört und es gab Bestrebungen, den Steinwall zu öffnen und das Noor wieder schiffbar zu machen. Besonders der Eckernförder Abgeordnete im preußischen Landtag, Jürgen Jürgensen, setzte sich dafür ein. Es gab jedoch auch noch viel größere Pläne:

This website uses cookies. By using the website, you agree with storing cookies on your computer. Also, you acknowledge that you have read and understand our Privacy Policy. If you do not agree, please leave the website.

More information