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 Im Laufe der nächsten Jahre beschreibt Fiete dann noch zahlreiche Dinge, wie den Bau ihres neuen Bootes auf der Eckernförder Glasau-Werft. Oder die verschiedenen Fischfangmethoden Handwaade, Ringwaade, Stellnetz, Treibnetz und Zugnetz. Geschildert werden lustige Situationen, wie auch lebensbedrohliche. Es wird auch kriminalistisch, als die Daniels nach und nach einem Berufskollegen auf die Schliche kommen, der Stellnetze klaut und nachts mit seinem Boot Raubzüge in den verschiedenen Häfen unternimmt. Sogar eine gruselige Episode gibt es, als plötzlich auf einem Fanggebiet nichts mehr als Unmengen ekelhafter, mysteriöser roter Würmer zu fangen sind. Auch historisch interessante Ereignisse kommen vor, z. B., wie es dazu gekommen war, dass 1923 das fischreichste Jahr in der Eckernförder Geschichte wurde. Dabei tauchen die Namen von weit über hundert Eckernfördern auf, die ich in einem Personenregister eingetragen habe. Nicht wenige Eckernförder von heute dürften da einen Vorfahren wiederentdecken können. Private Ereignisse, wie Fietes Heirat im Jahr 1922 finden höchstens in einem Nebensatz Erwähnung: „Wir sagten (dem Fischhändler Hansen), wenn es Mittwoch-Donnerstag gutes Wetter sei, kämen wir wieder, da am Wochenende meine Hochzeit sei, die wir wohl nicht versäumen könnten.” Im Laufe der nächsten Jahre beschreibt Fiete dann noch zahlreiche Dinge, wie den Bau ihres neuen Bootes auf der Eckernförder Glasau-Werft. Oder die verschiedenen Fischfangmethoden Handwaade, Ringwaade, Stellnetz, Treibnetz und Zugnetz. Geschildert werden lustige Situationen, wie auch lebensbedrohliche. Es wird auch kriminalistisch, als die Daniels nach und nach einem Berufskollegen auf die Schliche kommen, der Stellnetze klaut und nachts mit seinem Boot Raubzüge in den verschiedenen Häfen unternimmt. Sogar eine gruselige Episode gibt es, als plötzlich auf einem Fanggebiet nichts mehr als Unmengen ekelhafter, mysteriöser roter Würmer zu fangen sind. Auch historisch interessante Ereignisse kommen vor, z. B., wie es dazu gekommen war, dass 1923 das fischreichste Jahr in der Eckernförder Geschichte wurde. Dabei tauchen die Namen von weit über hundert Eckernfördern auf, die ich in einem Personenregister eingetragen habe. Nicht wenige Eckernförder von heute dürften da einen Vorfahren wiederentdecken können. Private Ereignisse, wie Fietes Heirat im Jahr 1922 finden höchstens in einem Nebensatz Erwähnung: „Wir sagten (dem Fischhändler Hansen), wenn es Mittwoch-Donnerstag gutes Wetter sei, kämen wir wieder, da am Wochenende meine Hochzeit sei, die wir wohl nicht versäumen könnten.”
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 +===Fiete Daniel wollte es wissen!===
  
 Das große, dominierende Thema des Manuskriptes ist jedoch jenes, das wohl jedem Fischer im Geiste herumspukt: Wann und wo ist was zu fangen und mit welchem Fanggerät? Fiete Daniel wollte dahinterkommen. Er wollte es ernsthaft wissen. Sonst hätte er wohl kaum so einen Aufwand gemacht, alle Fänge mit Zusammensetzung, Menge, Gewicht, Fanggebiet, Wetter, Uhrzeit und so weiter penibel zu dokumentieren. Ich scherze nicht, wenn ich sage, dass ich nun das Gewicht jedes einzelnen Steinbutts weiß, den Fiete von 1918-1923 fing. Ich habe 1738 Mal das Wort „Pfund” abgeschrieben, 958 Mal das Wort „Stieg” (1 Stieg = 20 Butt). Er machte sich um die Wanderungen der Fische und die Entwicklung ihres Bestandes wirklich viele Gedanken. Besonders der Rückgang des Goldbutts (Schollen) in der westlichen Ostsee Anfang der 20er Jahre ist immer wieder Thema. Er führt ihn auf die harten Winter, die Raubfischerei nach untermaßigen Butt während der Kriegsjahre und auf die Versenkung zweier Leichter voller Blausäure nach Kriegsende in der Kieler Förde zurück. Doch zu einem abschließenden Urteil kommt er nicht, denn allzu oft werden die Fischer in ihren Erwartungen enttäuscht oder durch unerwartete Fänge freudig überrascht, trotz aller Überlegungen. So schreibt er: „Aber man weiß ja auch nicht, was die Natur selbst dazu beigetragen hatte, die Goldbutt zum Aussterben zu bringen in der westlichen Ostsee.” Und : „Da niemand diese Frage beantworten konnte, sollte die Natur diese Rätsellösung wohl für sich behalten.” Das große, dominierende Thema des Manuskriptes ist jedoch jenes, das wohl jedem Fischer im Geiste herumspukt: Wann und wo ist was zu fangen und mit welchem Fanggerät? Fiete Daniel wollte dahinterkommen. Er wollte es ernsthaft wissen. Sonst hätte er wohl kaum so einen Aufwand gemacht, alle Fänge mit Zusammensetzung, Menge, Gewicht, Fanggebiet, Wetter, Uhrzeit und so weiter penibel zu dokumentieren. Ich scherze nicht, wenn ich sage, dass ich nun das Gewicht jedes einzelnen Steinbutts weiß, den Fiete von 1918-1923 fing. Ich habe 1738 Mal das Wort „Pfund” abgeschrieben, 958 Mal das Wort „Stieg” (1 Stieg = 20 Butt). Er machte sich um die Wanderungen der Fische und die Entwicklung ihres Bestandes wirklich viele Gedanken. Besonders der Rückgang des Goldbutts (Schollen) in der westlichen Ostsee Anfang der 20er Jahre ist immer wieder Thema. Er führt ihn auf die harten Winter, die Raubfischerei nach untermaßigen Butt während der Kriegsjahre und auf die Versenkung zweier Leichter voller Blausäure nach Kriegsende in der Kieler Förde zurück. Doch zu einem abschließenden Urteil kommt er nicht, denn allzu oft werden die Fischer in ihren Erwartungen enttäuscht oder durch unerwartete Fänge freudig überrascht, trotz aller Überlegungen. So schreibt er: „Aber man weiß ja auch nicht, was die Natur selbst dazu beigetragen hatte, die Goldbutt zum Aussterben zu bringen in der westlichen Ostsee.” Und : „Da niemand diese Frage beantworten konnte, sollte die Natur diese Rätsellösung wohl für sich behalten.”
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 >Een naa de anner dee sick düsse Bröörs verkrümeln. „Dat hest Du se god bipult kreegn, Johann”, dee ick seggen. „Jo”, see he, „dat is doch wohr! De Tied wo ji wegg weern, hefft se blots jümmers rümmsludert, wat ji unklooke Minschen dor op Fehmarn wull rummhungern un freern mööt!” „Is god, Johann”, see Fiete, „de könt uns all lang de Puckel rutschen. Wi hefft für dütt Johr uns Schipp in Drög'n un wüllt irstmol Wiehnacht moken.” >Een naa de anner dee sick düsse Bröörs verkrümeln. „Dat hest Du se god bipult kreegn, Johann”, dee ick seggen. „Jo”, see he, „dat is doch wohr! De Tied wo ji wegg weern, hefft se blots jümmers rümmsludert, wat ji unklooke Minschen dor op Fehmarn wull rummhungern un freern mööt!” „Is god, Johann”, see Fiete, „de könt uns all lang de Puckel rutschen. Wi hefft für dütt Johr uns Schipp in Drög'n un wüllt irstmol Wiehnacht moken.”
  
 +===Plattdeutsch versus Hochdeutsch===
  
 Die plattdeutschen Abschnitte abzutippen hat mir die meiste Freude gemacht. Nicht nur wegen des Humors, der im Plattdeutschen irgendwie immer mitschwingt. Auch deswegen, weil Platt Fiete Daniels Muttersprache war und diese Abschnitte natürlich und flüssig geschrieben sind. Zum Hochdeutschen musste sich Fiete hingegen regelrecht zwingen. Hier zum Beispiel der Anfang des Manuskripts: Die plattdeutschen Abschnitte abzutippen hat mir die meiste Freude gemacht. Nicht nur wegen des Humors, der im Plattdeutschen irgendwie immer mitschwingt. Auch deswegen, weil Platt Fiete Daniels Muttersprache war und diese Abschnitte natürlich und flüssig geschrieben sind. Zum Hochdeutschen musste sich Fiete hingegen regelrecht zwingen. Hier zum Beispiel der Anfang des Manuskripts:

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